Wohngemeinschaften
In den 60er Jahren waren Wohngemeinschaften noch ideologisch befrachtet oder galten gar als "revolutionär". Heute sind Wohngemeinschaften oder kurz WGs genannt eine von vielen Lebenformen.
Wohngemeinschaften können Zweck- oder Hausgemeinschaften, aber auch Lebensgemeinschaften sein. Zu den vielfältigen Formen gehören die Studenten-WG, die Frauen-WG, die Senioren-WG. Wohngemeinschaften sind nach wie vor eine Möglichkeit relativ billig zu wohnen. Allerdings gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten neuen Wohnung für WGs in den meisten Städten recht schwierig. Viele VermieterInnen wollen das typische ruhige Ehepaar ab 40 oder verlangen horrende Preise für ihre Wohnungen. Wohnungssuche für WGs dauert daher in der Regel sehr lange (es ist durchaus sinnvoll, einige (ca. 2) Monate einzuplanen) und bedarf konsequenten Dranbleibens. Leichter ist es, ein Zimmer in einer schon bestehenden WG zu finden, da die Fluktuation meist recht hoch ist. Die Phase des WG-Suchens gestaltet sich jedoch durchaus ähnlich der Suche nach einem Job: es folgen nicht selten diverse Vorstellungsrunden in der WG, bei der man sich um das vakante Zimmer bewirbt. Preislich bewegen sich "typische" WGs im deutschlandweiten Mittel bei knapp 250 EUR, für ein Zimmer zur Untermiete ist mit gut 210 EUR ein bisschen weniger zu veranschlagen. Zu beachten ist jedoch, dass diese Kosten in universitären Ballungsräumen deutlich höher liegen können. Um Zimmervakanzen in WGs ausfindig zu machen, bieten sich regionale Tageszeitungen, Schwarze Bretter im Hochschulbereich, Makler sowie natürlich das Internet an.
Probleme
Moderne WGs haben nur noch wenig mit den alternativen Lebensformen der 60er-Jahre gemein. Das Kollektiv ist dem Zusammenleben von Individuen gewichen, die bei aller Gemeinschaft großen Wert auf ihre Privatsphäre legen. Die Wohnung muss deshalb „WG-tauglich“ sein. Durchgangszimmer taugen da nur als Gemeinschafts- oder Abstellraum. Auch sollten die Einzelzimmer nicht kleiner als circa 12 Quadratmeter sein. Das gemeinschaftliche Leben sollte in einer Wohn-Küche oder in einem Wohnzimmer möglich sein. Konflikte können entstehen, wenn die einzelnen Zimmer unterschiedlich groß sind. Auch variierende Vorstellungen, was Ordnung und Sauberkeit betrifft, gehören zum klassischen Streitpotenzial. Hier sollte zu Beginn der Wohngemeinschaft Klartext geredet werden, um späteren Missmut zu vermeiden.WG-Menschen sind „Herdentiere“. Einzelgänger werden in Wohngemeinschaften nicht glücklich. Das bedeutet nicht, dass eine WG nur dann funktioniert, wenn alle das Gleiche wollen und alles geteilt wird. Toleranz und gegenseitiges Verständnis sind jedoch ein absolutes Muss. Es beginnt schon bei der Gestaltung und der Reinigung der Gemeinschaftsräume: Jeder Mitbewohner sollte da mitreden. Je nachdem wie man das Zusammenleben definiert, sparen gemeinsame Lebensmittel und Mahlzeiten Kosten und Zeit und erhöhen die Lebensqualität der Gemeinschaft. Getrennte Kassen, Telefonrechnungen und Lebensmittel reduzieren dahingegen das Konfliktpotenzial. Wenig Sinn macht es hingegen, Küchengeräte und Waschmaschinen nicht zu teilen: Hier ermöglicht die „Lebensform WG“ Anschaffungen, die sich der einzelne Studierende vielleicht nicht leisten könnte. Das erhöht die Lebensqualität für alle.
Das geordnete Chaos
In einer Gemeinschaft wie einer WG ist es unerlässlich, Rechte und Pflichten eindeutig festzulegen. WG-Bewohner müssen kompromissbereit sein. Bei aller Skepsis gegenüber Formalismen: Grundregeln erleichtern das Zusammenleben. Verteilen Sie die WG-Pflichten auf einzelne Mitbewohner, die sich dann z. B. um Probleme mit dem Vermieter oder um den Telefonanschluss kümmern.
WG-Profis raten davon ab, mit engen Freunden zusammenzuziehen. Die „Scheidungsrate“ solcher WGs sei zumeist höher als die der über Annoncen oder Anzeigen entstandenen Wohngemeinschaften. Auch das Zusammenwohnen mit Pärchen in einer WG birgt Probleme. Cliquenbildung und emotionaler Stress können das WG-Klima gefährden.
Verschiedene Lebensstile unter einem Dach
Hier gilt die alte Regel: Die Mischung macht’s. Gerade das Zusammenleben verschiedener Charaktere kann die „Erfahrung WG“ zu einem Gewinn machen. Langweilig wird es hingegen, wenn ausschließlich Studenten eines Faches zusammenleben. Den abendlichen „Küchenkabinettssitzungen“ droht so, die Luft auszugehen. Sehr ungünstig sind Kombinationen von Extremen wie Nicht- und Kettenrauchern, Frühaufstehern und Partymachern, Putzwütigen und „Messies“, Kaufsüchtigen und Geizhälsen. Um die WG-Tauglichkeit zu testen, sollten Sie die Erwartungen des Einzelnen checken.
Checkliste
Das sollten Sie bedenken:
- Im Mietvertrag zwischen Vermieter und Hauptmieter schriftlich festhalten, dass die anderen WG-Bewohner bleiben können, wenn z. B. der Hauptmieter auszieht.
- Im Mietvertrag sollte der Begriff "Wohngemeinschaft" auftauchen, damit WG-Mitglieder leichter aus- bzw. einziehen können.
- Manche Vermieter bevorzugen Einzelmietverträge - zum Vorteil der eigenen Einnahmen. Günstiger kommt es zumeist für den Mieter, wenn es einen Hauptmieter gibt.
- Die Aufteilung der Miete und der Nebenkosten auf die einzelnen WG-Mitglieder von Anfang an schriftlich festhalten.
- Als Hauptmieter die Untermieter immer sofort von Kündigungen informieren, sonst drohen Schadensersatzforderungen.
- Bei einem Bewohnerwechsel darauf achten, dass im Vertrag die aktuellen Bewohner aufgeführt sind.
- Festlegung einer Kündigungsfrist für die einzelnen WG-Bewohner.
- Aufteilung von Nebenkosten bzw. Festlegung einer zusätzlichen Pauschale für eventuelle Nachzahlungen.
- Haftpflicht-Regelung für gemeinsam verursachte Schäden bzw. für Schäden, die Besucher verursacht haben.
- Mitspracheregelung bei der Auswahl von Nachmietern
- Festlegung eines Putzplanes bzw. Sanktionen bei Nicht-Einhaltung
- Einrichtung einer Haushaltskasse und Festlegung der Beiträge für gemeinsam verbrauchte Produkte (Putzmittel etc.)
- Auszugsregelung für Mitbewohner: Was passiert z.B. mit gemeinsam gekauften Geräten?
Fazit
WGs sind vergleichbar mit Beziehungen. Reden, reden, reden und auch mal was akzeptieren. Bevor sich Fronten verhärten. Auch ein gemeinsamer Kneipenbesuch kann das WG-Leben wieder auflockern.


