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Karrierestart im Mittelstand

Viele Absolventen berücksichtigen bei Ihrer Jobsuche nach dem Studium den deutschen Mittelstand zu wenig oder überhaupt nicht. Häufig liegt das daran, daß der Mittelstand nicht so präsent in den Medien ist oder ein Vorurtei gegenüber kleineren Unternehmen herrscht, weil unterstellt wird, daß oben genannte "Wunschkriterien" für den Berufseinstieg dort nicht zu finden sind. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Der Einstieg im Mittelstand hat viele Vorzüge: Interessante Aufgaben, mehr Verantwortung und oft ein schnellerer Aufstieg. Und mit „Mittelklasse“ ist der Mittelstand schon lange nicht mehr gleichzusetzen. Der deutsche Mittelstand wird nicht umsonst als "Motor der deutschen Wirtschaft" bezeichnet.

Viele Absolventen träumen vom Einstieg bei einem internationalen Konzern. Dabei übersehen Absolventen und Young Professionals oft die vorzüglichen Chancen bei Unternehmen im Mittelstand. Manche Absolventen vermuten, dass sie statt einer stattlichen Karriereleiter nur ein kleines Treppchen vorfinden. Arbeitsmarktexperten halten diese Ansicht jedoch für längst überholt. Schon der Berufseinstieg bei KMU-Unternehmen (kleine und mittlere Unternehmen) fällt leichter: Bei Mittelständlern ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage für Führungskräfte deutlich günstiger als bei Konzernen.

Karriere-Möglichkeit unterschätzt

Probleme machte dem Mittelstand lange Zeit sein Image: Er galt und gilt teilweise immer noch - häufig zu Unrecht - als leicht provinziell und "akademikerfeindlich". Pfiffige Absolventen übersetzen "KMU" aber längst nicht mehr nur mit kleine und mittlere Unternehmen, sondern mit "Karriere-Möglichkeit unterschätzt". Und sie nutzen ihre Chancen, gerade wenn Konzerne Arbeitsplätze abbauen oder keine neuen Stellen in nennenswertem Umfang schaffen. Der Anteil der Akademiker in den Chefbüros von KMUs ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen.

Mittelstand als Job-Motor

Seit 2005 werden in der Europäischen Union KMU wie folgt definiert:

  • mittlere Unternehmen: Mitarbeiter bis 249 und Umsatz bis 50 Millionen Euro oder Bilanzsumme bis 43 Millionen Euro;
  • kleine Unternehmen: bis 49 Beschäftigte, Umsatz oder Bilanzsumme bis zehn Millionen Euro;
  • Kleinstunternehmen: bis neun Mitarbeiter, Umsatz oder Bilanzsumme bis zwei Millionen Euro.

Nach Daten des Statistischen Bundesamts sind in Deutschland demnach 99,7 Prozent aller Unternehmen mittelständisch. Und: In den vergangenen Jahren hat sich der Mittelstand als Job-Motor etabliert. Der deutsche Mittelstand beschäftigt rund 20 Millionen fest angestellte Arbeitnehmer, darunter allein über 600.000 Führungskräfte. Damit machen die Beschäftigten im Mittelstand vier Fünftel aller Erwerbstätigen in Deutschland aus. Die meisten Betriebe in Deutschland (91 Prozent) haben nicht mehr als neun Mitarbeiter, sieben Prozent beschäftigen zehn bis 49 feste Mitarbeiter, bei 1,5 Prozent sind es 50 bis 249 Beschäftigte.

Unternehmensnachfolger im Mittelstand gesucht

Der Einstieg im Mittelstand bedeutet meist kurze Einarbeitungsphasen und ein breites Aufgabenfeld. Bewerber müssen nicht so spezialisiert sein wie in Großunternehmen. Der Vorteil für motivierte Jung-Manager: Sie übernehmen frühzeitig Verantwortung. Im Unternehmen verläuft der Aufstieg meist rascher als bei Großunternehmen, denn es gibt weniger Konkurrenten um die Top-Positionen. Die größte Herausforderung für den Mittelstand ist es derzeit, geeignete Unternehmensnachfolger zu finden - hier ergeben sich große Chancen für Existenzgründer mit Wirtschafts-Know-how.

"Hidden Champions" im Mittelstand

International tätige Firmen, besonders die "Hidden Champions" schicken ihren Nachwuchs meist schon nach wenigen Monaten zum ersten Einsatz ins Ausland. Denn auch kleinere Unternehmen bieten ihren Führungskräften zunehmend internationale Karrieren. Sie nutzen die Globalisierung, um im Ausland neue Märkte zu erschließen. Eine Chance vor allem für Einsteiger, die bereits Auslandserfahrung mitbringen.

Gehälter können mithalten

Beim Gehalt können erfolgreiche Mittelständler heute oft mit Konzernen mithalten. Der einzige Nachteil: Für Weiterbildung muss der Einsteiger häufig selbst sorgen. Wer sich trotzdem weiterqualifiziert, dem wird auch der spätere Einstieg bei einem Konzern gelingen. Der Wechsel vom Klein- zum Großunternehmen (und umgekehrt) wird immer mehr zur Normalität.

Oftmals mangelnde Präsenz der KMU

Das Problem vieler KMU - oft sogar auch für mittelständische Weltmarktführer aus Deutschland - beim Wettbewerb um die besten Absolventen ist, dass sie (bisher) kein so umfassendes Hochschul- und Personalmarketing wie Konzerne realisieren. Auch deshalb sind sie bei erstklassigen Wirtschaftsabsolventen oft weniger präsent.

Bei der Suche nach mittelständischen Arbeitgebern können helfen:

  • Karriere-Handbücher
  • Hoppenstedt-Firmenhandbücher
  • regionale Tageszeitungen
  • Industrie- und Handelskammern
  • Branchen- und Berufsverbände
  • Lehrstühle für Mittelstandsforschung
  • Fach- und Hochschulmessen
  • Fachzeitschriften
  • Suchmaschinen im Internet
  • Mittelstand im Netz

Quelle: staufenbiel.de

Interessante Zahlen zum Mittelstand

 

Quelle: Institut für Mittelstandforschung Bonn

Die 100 besten Arbeitgeber im Mittelstand

Die Agentur compamedia ermittelt einmal jährlich unter der Schirmherrschaft von Ex-Minister Clement die 100 besten Arbeitgeber im Mittelstand. Die Ergebnisse werden auf der Internetseite topjob.de dargestellt. Das Verfahren und die Beurteilungskriterien sind auch dort zu finden. In einen Unternehmensporträt werden, übersichtlich nach Branchen, Unternehmensgröße und Standort geordnet, die ausgezeichneten Unternehmen und ihre Personalkonzepte vorgestellt. Berufseinsteiger, Young Professionals und andere Bewerber finden so rasch ihren potenziellen neuen Arbeitgeber bzw. zumindest Hinweise auf mögliche interessante und vor allen aktive Arbeitgeber des Mittelstands.

Alle 100 Unternehmen haben für ihre Arbeitgeberqualitäten das Gütesiegel »Top Job« erhalten. In den sechs Bereichen

  • Führung und Vision
  • Motivation und Dynamik
  • Kultur und Kommunikation
  • Mitarbeiterentwicklung und Perspektive
  • Familien- und Sozialorientierung
  • Internes Unternehmertum

unterzog ein Team vom Institut für Führung und Personalmanagement der Uni St. Gallen ie Bewerber einer strengen zweistufigen Untersuchung. Mithilfe eines Fragebogens erfassten die Personalexperten zunächst die Kennzahlen des Unternehmens. In einem zweiten Schritt folgte eine detaillierte Online-Mitarbeiterbefragung.

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