Falsche Titel
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Als Titelmühlen (engl.: diploma mill oder degree mill) werden Einrichtungen bezeichnet, die gegen Geld akademische Grade vergeben.
Der Titelhandel durch Unis oder Titelmühlen in Deutschland ist ein weitverbreitetes Phänomen. Weltweit sind derzeit etwa 300 solcher Titel-Fabriken aktiv. Das ist allerdings teuer. Ein Doktortitel kann bis zu 30.000 Euro kosten, ein Professortitel ca. 50.000 Euro und ein Universitätsabschluss bis zu 15.00 Euro. Den ersehnten Titel bekommt man inklusive Studienausweis, Studienbescheinigung, Dissertation in dreifacher beglaubigter Kopie, Fächer- und Notenübersicht. Auf Wunsch, zum Beispiel bei Ehrendoktorwürden, sogar mit Laudatio.
Sie sind in Deutschland nicht anerkannt und können Karrieren schnell beenden. Wer solche Titel nutzt, macht sich strafbar. Das bedeutet neben einer hohen Geldstrafe teilweise sogar eine Gefängnisstrafe. Vom Imageschaden ganz abzusehen.
Vorgehen
Titelmühlen bieten entweder Diplome direkt zum Kauf an oder geben in Werbeanzeigen vor, akademische Grade für „Lebenserfahrung“ vergeben zu können, wodurch leichtgläubige Interessenten von der angeblichen Legalität der Titelvergabe überzeugt werden sollen. Es gibt auch Titelmühlen, an denen tatsächlich „Diplomarbeiten“ oder „Dissertationen“ eingereicht werden sollen und eine tatsächliche Prüfung vorgetäuscht wird. Hierbei stehen die geforderten Leistungen in der Regel in keinem Verhältnis zu den entsprechenden Leistungsanforderungen an echten Hochschulen. So werden beispielsweise Bachelor- oder Mastergrade nach Fernkursen von wenigen Wochen oder Monaten verliehen, und „Dissertationen“ weisen einen Umfang von wenigen Seiten auf. Ebenso wertlos, aber viel billiger täuschend ähnliche Fälschungen echter Urkunden, ausgestellt von Titel-Mühlen. Diese Zeugnisse werden ohne nicht-monetäre Gegenleistung verschickt. Schon ab 35 Euro sind die Nachahmungen zu haben.
Abschlüsse
Die „Abschlüsse“ solcher „Universitäten“ sind in Deutschland und den meisten Staaten der Welt nicht anerkannt, je nach Landesgesetzen wird die Führung solcher Pseudotitel sogar unter Strafe gestellt. In Deutschland ist nur die Führung von im Anschluss an ein tatsächlich absolviertes Studium an einer im Herkunftsland staatlich anerkannten Hochschule verliehenen ausländischen akademischen, staatlichen oder kirchlichen Graden unter Angabe der verleihenden Bildungseinrichtung zulässig. Grade aus Staaten der Europäischen Union können ohne Herkunftszusatz geführt werden
Entgegen anderslautenden Behauptungen der Verkäufer ist die Führung der als kirchliche Würden gegen einen bezahlbaren „Spendenbeitrag“ verliehenen Phantasie-Doktorate (z. B. Doctor of Metaphysics, Doctor of Motivation) der in den USA offenbar tatsächlich als Kirche anerkannten Universal Life Church in Deutschland ebenfalls strafbar, da es sich zwar nicht um Grade handelt, aber um Bezeichnungen, die akademischen Graden zum Verwechseln ähnlich sind. In dieser Angelegenheit existieren bereits einschlägige Gerichtsurteile.
Pech
Manchmal werden Titel-Betrüger allerdings auch von ganz unvermuteter Seite enttarnt. Es ist kein Einzelfall, dass Ehefrauen erst als Frau Doktor herumlaufen und dann bei der Scheidung auf falsche Titel ihrer Männer hinweisen.
Die Anabin-Datenbank
Die Anabin-Datenbank informiert über die Anerkennung und Bewertung in- und ausländischer Bildungsnachweise. Sie enthält umfangreiche Informationen über die Bildungswesen, die verschiedenen Abschlüsse und die akademischen Grade in aller Welt sowie deren Wertigkeit.
- H+ bedeutet, dass die Hochschule und ihre Abschlüsse anerkannt und führbar sind.
- H- sagt, dass die Hochschule und ihre Abschlüsse sind nicht anerkannt sind. In einigen Ländern ist es privaten Bildungsanbietern nicht untersagt, ihr Unternehmen mit dem Begriff "Universität", "Hochschule", "University" oder "College" zu benennen und Diplome zu verleihen. Jedoch haben die Diplome keinen akademischen Wert: die Abschlüsse sind nicht anerkannt und nicht führbar.
Länder
Deutschland
In Deutschland sind die Bezeichnungen „Hochschule“ sowie „Universität“ und „Fachhochschule“ gesetzlich geschützt, so dass reine Titelmühlen oder auch Bildungseinrichtungen, die ohne staatliche Anerkennung als Hochschulen auftreten, dort nicht rechtlich unbehelligt agieren können. Allerdings werden in Deutschland von vielen Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung bewusst akademisch anmutende Begriffe wie „Studium“, „Diplom“, „Zwischenprüfung“ und „auf universitärem Niveau“ verwendet. Dies ist rechtlich auch zulässig, solange nicht der Anschein erweckt wird, es handele sich tatsächlich um ein Hochschulstudium.
Da es nach geltendem Recht von seitens der Kultusministerien keine gesonderten Führungsgenehmigungen für ausländische Grade mehr und auch keine Rechtsgrundlage zu deren inhaltlicher Bewertung gibt, ist jeder, der einen ausländischen akademischen Grad führt, selbst für die Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Führung verantwortlich und muss eventuelle zivil- und strafrechtliche Konsequenzen bei unrechtmäßiger Führung tragen.
Anzeigen von so genannten Titelmühlen erscheinen regelmäßig in deutschen Medien wie Wirtschaftswoche oder Karriere und verleiten durch die Seriosität der Zeitschriften dazu, auch die Institution gedanklich als seriös anzuerkennen.
Schweiz
- Die „Freie Universität Teufen“ ist eine 1985 in der Schweiz gegründete privatwirtschaftliche Einrichtung, die sich zu den Fernstudieneinrichtungen zählt. Es handelt es sich hierbei um eine Titelmühle, die keine "Anerkannte Schweizer Hochschule" ist, kein Promotionsrecht besitzt und keine Diplome oder Bachelor-/Master-/Doktorgrade vergeben darf. Es werden Grade vom Diplom über den Master bis hin zur Professur angeboten, die nach geltender deutscher Rechtsprechung nicht in Deutschland geführt werden dürfen.
- Die „Freie Universität Zug“ verfügt über ein fast gleich lautendes Angebot. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Ableger der erstgenannten.
- Seit über zwanzig Jahren vergibt auch die „Freie Universität Herisau“ Grade, die in Deutschland nicht anerkannt sind und dort deswegen nicht geführt werden dürfen.
Weitere Länder
- In den USA wurde die inzwischen geschlossene kalifornische Columbia Pacific University von Seiten der kalifornischen Justiz als a diploma mill bezeichnet. Einen ähnlichen Ruf hat die Clayton University in St. Louis.
- Die Open International University for Alternative Medicine in Kolkata bietet im Fernstudium ein Master-Diplom der Alternativmedizin [M.D. (A.M.)] für 750 US-Dollar, den Doktor der Philosophie der Alternativmedizin [Ph. D. (A.M.)] für 850 Dollar sowie den Doktor der Naturwissenschaften für Alternativmedizin [(D. Sc. (A.M.)] für 900 Dollar an. Für das Master-Diplom werden fünf Prüfungsdokumente per Post zugesandt und müssen beantwortet zurückgesandt werden. Für den Doktortitel muss eine mindestens 300 Seiten lange Schrift eingereicht werden, angeleitet von einer Person oder Institution, die zuvor von der Open International University for Alternative Medicine akkreditiert wurde.
- Auf den Britischen Jungferninseln hat sich die Mave University etabliert. Sie bietet gegen ein entsprechendes Honorar ebenfalls akademische Grade an.




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