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Kindergartensysteme

Die Lebensphase vor der Einschulung wird oft als eine Art Heiligtum angesehen. Fern von jedem Leistungsdruck sollen die Kleinen ihre Kindheit noch einmal so richtig genießen, bevor der Ernst des Lebens beginnt. In deutschen Kindergärten wird daher getobt, gespielt, gebastelt und gekuschelt.

Das deutsche Kindergartensystem ist in den letzten Jahren jedoch immer mehr  in die Kritik geraten. Im Zuge der Bildungsdebatte, die in Deutschland vor allem das durchschnittliche Abschneiden bei den internationalen PISA-Studien verstärkt wurde, richtete sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf den Bildungsauftrag des Kindergartens.
Bildungsexperten sehen das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler auch darin begründet, dass zu spät damit begonnen wird, Grundlagen für erfolgreiches Lernen zu legen. In Wissenschaft, Forschung und Politik werden Forderungen nach frühkindlicher Förderung laut. Erkenntnisse der Lernforschung zeigen, dass Kinder im Vorschulalter besonders lernfähig und zudem lernwillig sind. Kinder sind neugierig. Sie wollen ihre Welt entdecken und verstehen.

Ein Blick ins europäische Ausland zeigt zudem, dass Deutschland mit seiner bisherigen Vorstellung einer Schonfrist für Kinder vor der Einschulung allein auf weiter Flur dasteht. In fast allen Nachbarländern ist es üblich, dass man Kindern schon im Vorschulalter erste Kenntnisse im Umgang mit Buchstaben und Ziffern vermittelt. Auch bringen die Erzieherinnen den Kleinen bereits eine Fremdsprache bei oder führen einfache naturwissenschaftliche Experimente mit ihnen durch. Dies macht deutlich: im deutschen Kindergartensystem besteht dringender Reformbedarf. Zwar ist im Kindergartengesetz inzwischen ein Bildungsauftrag verankert, bislang mangelt es jedoch daran, diesen in den einzelnen Einrichtungen konkret umzusetzen.

Europäische Nachbarn

Bedenklich ist zudem, dass Deutschland neben Österreich das einzige Land ist, in dem ErzieherInnen keine akademische Ausbildung erhalten. Während sie anderswo einen Hochschulabschluss benötigen, um ihren Beruf auszuüben, reicht in Deutschland der Besuch einer Fachschule aus. Eine Hochschulausbildung für ErzieherInnen auch in Deutschland wäre sinnvoll. Zum einen, damit ErzieherInnen ihrem Anspruch, die Kleinen zu bilden, gerecht werden können. Zum anderen, um die Bedeutung der frühkindlichen Bildung ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und dadurch mehr qualifiziertes Personal für diesen Beruf zu gewinnen, vor allem auch Männer, die bislang in deutschen Kindergärten kaum vertreten sind.

Doch mit einem konkreten Bildungskonzept für Kindergärten und einer besseren Ausbildung von ErzieherInnen allein ist es nicht getan. Solange die Qualität der Kindergärten von der Finanzkraft der Kommunen abhängt, wird sich der hohe Anspruch, der mittlerweile an deutsche Kindergärten gestellt wird, nicht realisieren lassen. Es ist nötig, Bildung ganzheitlich zu sehen. Der Kindergartenbereich muss ebenso wie die schulische Bildung in den Zuständigkeitsbereich der Länder verlegt werden. Bildungspläne müssen die Zeit vom Kindergarten an bis zu den weiterführenden Schulen ganzheitlich abdecken, so wie es auch dem internationalen Standard entspricht. In vielen Ländern gehört der vorschulische Bereich zum regulären Schulsystem, wie beispielsweise in Belgien oder die Basisschulen in den Niederlanden bzw. die école maternelle in Frankreich, in der praktisch alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr einen Platz in einer ganztägigen, in der Regel öffentlichen und damit kostenlosen Vorschule finden.


Dies wird in Frankreich stärker als in Deutschland als eine selbstverständige Etappe in der Schulbiographie eines Kindes angesehen und lässt sich deshalb schon von der Begrifflichkeit her nur bedingt mit dem deutschen Kindergartensystem vergleichen. Sogar über ein Drittel der zweijährigen Kinder nehmen in am Vorschulunterricht teil. Wird noch das flächendeckende Angebot an Krippenplätzen für circa 20 Prozent aller Kleinkinder hinzugezählt, auch wenn diese nicht zum Bildungssystem im engeren Sinne gehören, so gilt Frankreich im internationalen Maßstab zu Recht als Vorbild im Bereich der vorschulischen Erziehung.

In der Schweiz fördert der Kindergarten (bzw. die École enfantine bzw. die Scuola dell'infanzia) die Entwicklung der Kinder und bereitet sie auf den Schuleintritt vor. In der Schweiz ist der Kindergarten ein Teil des Schulwesens. Dies geschieht ohne systematische Leistungsbeurteilung und ohne Selektion, d.h. ohne Einteilung in Leistungsgruppen.
Die Vorschulerziehung in Österreich beruht auf freiwilliger Basis. Im Jahr 2005 besuchten österreichweit insgesamt 66,3% aller Dreijährigen, 89,8% aller Vierjährigen und 91,9% aller Fünfjährigen institutionelle Kinderbetreuungsstätten.9 Im Gegensatz zur Schulverwaltung ist das Kindergartenwesen in Österreich Sache des jeweiligen Bundeslandes, eigene Kindergartengesetze regeln alle organisatorischen und inhaltlichen Fragen. Man unterscheidet im Rahmen der vorschulischen Erziehung prinzipiell zwischen verschiedenen Einrichtungen. Im Alter von null bis drei Jahren können Kinder eine Kinderkrippe bzw. Krabbelstube besuchen. Im Kindergartenjahr 2005/2006 besuchten 16.037 Kinder in Österreich eine von 889 Krippen. Vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt können Kinder auf der Vorschulstufe (ISCED 0) entweder eine Vorschulklasse bzw. -gruppe (7.860 SchülerInnen10) oder einen Kindergarten besuchen.

Bruch am Übergang

In Deutschland dagegen ist der Übergang vom Kindergarten zur Schule durch einen offensichtlichen Bruch gekennzeichnet. Es ist der abrupte Wechsel vom Kuschelkindergarten zum Frontalunterricht, der viele Kinder überfordert. Mit dem Lernen aber bereits im Kindergarten zu beginnen, entspricht durchaus ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen. Sicherlich ist es nicht sinnvoll, das kindliche Spiel nun vollständig aus deutschen Kindergärten zu verbannen und die 3-6jährigen auf Leistung zu drillen. Es geht dagegen darum, eine Kombination aus Spiel und erstem Lernen zu schaffen. Eine solche Konzeption wird den Bedürfnissen der Kinder eher gerecht, als eine kategorische Schonzeit vor der Einschulung, die das Potential der Kleinen verkümmern lässt.

Quelle: hoppsala.de, bpb.de, statistik.at, wikipedia.de

Kinderbetreuung - ein europäischer Vergleich

Die EU mahnt einen Ausbau von Kindergärten und Krippen an. Die gegenwärtige Situation in ausgewählten europäischen Nachbarländern im Vergleich mit der deutschen Situation.

 

Quelle: Europäische Kommission

 

 

Quelle: Europäische Kommission