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Lern- und Entwicklungsförderung

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Bei Schulabgängern spielen im Rahmen der Ausbildungs- Studien- und Berufsberatung eignungsdiagnostische Testverfahren zu den Bereichen Persönlichkeit, berufliche Interessen sowie Intelligenzstruktur eine entscheidende Rolle, um den richtigen Weg zu finden.

Bei Schulanfängern sieht dies hingegen ganz anders aus: der Einsatz von Intelligenztests macht Sinn, um beispielsweise eine Hochbegabung oder vermutete Defizite im hirnorganischen Bereich aufdecken zu können. Persönlichkeitsfragebögen sind bei jüngeren Kindern nur dann angebracht, wenn ein spezifisches Problemverhalten (Ag-gression, sozialer Rückzug…) vorliegt. Die Überprüfung von Konzentrationsfähigkeit oder Lernmtivation macht wenig Sinn, da diese Fähigkeiten bei Jüngeren erst aufgebaut werden müssen und ein Testergebnis daher wenig aussagekräftig ist — schließlich sagt die Note der ersten Klassenarbeit in Englisch ja auch nichts darüber aus, wie gut sie die Sprache eines Tages beherrschen werden. Tests zu beruflichen Interessengebieten sind für Kinder aus rein logischen Gründen ungeeignet.

Wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse der psychologischen Forschung zeigen, kommt es für den kontinuierlichen Erfolg in der Schule viel weniger auf den IQ an (zumal gerade das kindliche Gehirn sich noch viel stärker entwickelt als das eines Erwachsenen) als viel mehr auf das Vorwissen sowie auf die Fähigkeit, das eigene Lernverhalten steuern zu können.

Die überwiegende Mehrheit aller Schülerinnen und Schüler weisen Intelligenzwerte auf, die im Normalbereich liegen. Sieht man einmal von den ca. zwei Prozent Hochbegabten ab, bedeutet dies, dass die Anzahl der Kinder, die praktisch „von Natur aus“ zu wenig Potential mit auf den Lebensweg bekommen haben, um die Schule sowie eine Ausbildung abschließen zu können, nahezu verschwindend gering ist.

Wenn die Grundlagen für den schulischen — und im weiteren Lebensverlauf — auch beruflichen Erfolg jedoch vor allem im Vorwissen und den Fähigkeiten zur Selbstregulation einer Person zu finden sind, dann besteht der erste Baustein einer erfolgreichen Karriere darin, bei einem Kind Lernmotivation und die Fähigkeit zur Steuerung des eigenen Lernverhaltens aufzubauen.

Bei Teenagern kann dies in Form von Lerntrainings, Coachings und Seminaren zu Lerntechniken erfolgen. Ein jüngeres Kind ist hingegen nicht in der Lage, eigenständig sich zu einer optimalen Eigensteuerung zu führen. Deshalb fällt diese Rolle — neben den Lehrerinnen und Lehrern — in erster Linie den Eltern zu.

Wenn die wichtigsten Voraussetzungen für schulischen Erfolg in einer optimalen Selbstregulation des Kindes liegen und diese bei Jüngeren nur durch richtiges Verhalten der Eltern aufgebaut werden kann, bedeutet dies im Umkehrschluss allerdings auch, dass die Eltern sehr stark dafür verantwortlich sind, wie erfolgreich ihr Kind in der Schule sein kann und welche Voraussetzungen es im fortgeschrittenen Alter mit-bringt, um z.B. das Abitur mit guten Noten zu bestehen und ein Numerus-Clausus-Fach zu studieren.

Wenn schlechte Noten in der Grundschule nicht auf - sehr selten anzutreffende — in-tellektuelle Beeinträchtigungen zurück zu führen sind, dann sind sie in dem meisten Fällen das Resultat eines suboptimalen Erziehungsstils!

Dabei soll es nun nicht darum gehen, die Eltern von Kindern mit schlechten Noten pauschal zu verurteilen. Jedoch muss die im vorigen Abschnitt aufgezeigte Tatsache ehrlich angesprochen werden, weil nur so der eingeschlagene Weg korrigiert werden kann. Wie Erziehungsberechtigte sich einem Kind gegenüber in Lernsituationen optimal verhalten, um dessen Selbstregulation zu fördern, ist keinesfalls immer offensichtlich.

Dass Kindern nicht unter hohen Leistungsdruck gesetzt werden sollen, liegt auf der Hand. Welche Mutter weiß aber zum Beispiel, dass es wenig Sinn macht, auf ein bockiges Kind beschwichtigend einzuwirken oder auf dessen Diskussionsargumente einzugehen, weil dies sein lernunwilliges Verhalten meist nur verstärkt? Oder welcher Vater ist sich dessen bewusst, dass es sinnvoller sein kann, etwa vor einer wichtigen Mathematikarbeit nicht mit dem Sprössling so lange zu pauken, bis der Stoff abge-arbeitet ist, sondern das Kind stattdessen unvorbereitet zur Klassenarbeit gehen zu lassen?

Unmöglich denken Sie? Ganz im Gegenteil!

Glauben Sie wirklich, dass Ihr Kind die Vokabeln oder das 1x1 nun beherrscht, weil Sie mit ihm geübt haben und es bei den letzten zehn Aufgaben keine Fehler mehr gemacht hat und schon viel besser ist als noch eine halben Stunde zuvor? Täuschen Sie sich besser nicht!

Warum Lernblockaden meistens das Ergebnis ungünstiger Kommunikationsprozesse  zwischen Kindern und Eltern sind, weshalb das sehr häufige und regelmäßige Wiederholen von Lerninhalten so wichtig ist und wie Sie Ihrem Kind durch die richtige und vor allem situationsangemessene Mischung aus Konsequenz und liebevoller Zuwendung zu einer positiven Selbstregulation verhelfen können, zeigen wir Ihnen in unseren Seminaren.

Letztlich soll es keinesfalls darum gehen, schon in der frühen Kindheit den Nachwuchs auf Erfolg und Leistung zu trimmen. Viel wichtiger ist es, die in jedem Kind schlummernde Neugier zu wecken und ihm den Spaß am Lernen beizubringen.  Mangelnde Lernmotivation ist meistens die Folge von negativer Erfahrung mit einem Wissensgebiet oder mit Lernsituationen allgemein. Bedingungslose Liebe, die Unterstützung beim Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens sowie das Setzen von Grenzen sind die wichtigsten Hilfen, die Eltern ihren Kindern geben können. Mit ihnen als Grundlage ist es auch keine Zauberei, eine positive Selbstregulation aufzubauen.

Jedoch ist hierfür viel Zeit nötig, denn um ein Kind zu einer entwicklungsfördernden Selbstregulation zu führen dauert es zwei bis drei Jahre und auf dem Weg zum Erfolg kann sich Nachlässigkeit sehr kontraproduktiv auswirken. Die intensive Betreuung in dieser Zeit ist sehr wichtig. Das Lernen mit dem Kind stellt dann keine Aufgabe dar, die zwischen Türrahmen, Schreibtisch und Bügelbrett erledigt werden kann, sondern auch von den Eltern Konzentration und Eigendisziplin erfordert. Aber es ist umgekehrt auch die zeit, in der Sie steuern können, wie stark sie ihr Kind auf dem Weg zum Erfolg unterstützen möchten.

Autor: Rene Oehler Berater beim Profiling Institut, Elternberatung bei Entwicklungsförderung, Studienberatung und Karrierberatung