Privatschulen und Internate
Die Zukunft Deutschlands hängt stark an Ausbildung und Bildung. Die Bevölkerung denkt bei dem Thema aber vor allen Dingen an die Zukunft der eigenen Kinder. Hier herrscht laut einer Umfrage der die Überzeugung vor, von immerhin 61 % aller Befragten, dass Schulen in privater Trägerschaft den Kindern bessere Bildungschancen eröffnen als öffentliche Schulen. Dieser Prozentsatz der Überzeugungen korreliert stark mit dem beruflichen Hintergrund: so sind es bei den Arbeitern 51 % und bei leitenden Angestellten und Selbständigen immerhin 69 %.
In den letzten Jahren ist die Zahl der deutschen Schüler, die deutsche Privatschulen besuchen, deutlich gestiegen. Im Zeitraum von 1992 bis 2005 wurden 700 neue Privatschulen gegründet. 2006 waren es laut Statistischem Bundesamt 2867 — rund 40 Prozent mehr als nach der Wende. Insgesamt vervierfachte sich im Osten die Zahl der Privatschulen seit 1992, während sie in Westdeutschland lediglich um 16,4 Prozent zunahm. Nach Angaben der Statistiker ist diese Entwicklung aber auch darauf zurückzuführen, dass im Osten vor der Wiedervereinigung nur sehr wenige private Schulen bestanden.
Anders als viele meinen, war nicht der Pisa-Schock Auslöser des Trends. Vielmehr hält er schon seit Beginn der 90er Jahre an — lange vor Veröffentlichung der ersten Pisa-Ergebnisse im Jahr 2001. Der Bundesverband Deutscher Privatschulen geht davon aus, dass etwa 20 Prozent der Eltern ihr Kind lieber auf eine private als auf eine staatliche Schule schicken würden. Eine Ausnahme vom Trend gibt es: Die Zahl der Internate stagniert. Dafür bilden die deutschen Schüler inzwischen die drittgrößte Ausländergruppe an britischen Internaten.
Die Experten glauben, dass der Boom der Privatschulen mit einem negativen Bild der deutschen öffentlichen Schulen verbunden ist. Viele Eltern aus aller Welt zahlen für ihre Kinder tausende Euro pro Jahr für eine Schulausbildung in englischsprachigen Ländern. Diese Tendenz verbreitet sich immer mehr in auch Deutschland: Bei der Bildung wird immer mehr gespart. Unterrichtsausfälle sind an der Tagesordnung genauso wie übervolle Klassen, in denen eine individuelle Förderung kaum noch möglich ist. Hinzu kommen veraltete Unterrichtsmaterialen und schlechte Schulgebäude. Das sind keine guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn der Kinder. Aus diesem Grund sind auch deutsche Eltern auf der Suche nach einer qualitativen Schulausbildung für ihre Kinder, einer Bildung, die qualitativ besser ist als das deutsche öffentliche Schulsystem und zudem noch zusätzliche Möglichkeiten anbietet.
Die Eltern stehen vor Privatschulen und Internaten Schlange. Die Zeiten, in denen Privatschulen und Internate nur als Einrichtungen für die Elite galten, sind vorbei. Auf die Frage ob das starke Interesse für Privatschulen das Resultat auf die Folgen der Pisa-Studie wäre, die Deutschland ein beschämendes Zeugnis nach dem anderen ausgestellt hat, antworten viele Vertreter von Privatschulen und Bildungsexperten, dass der Trend in Richtung freie Bildungsalternative schon vor Pisa eingesetzt hatte, sich aber dadurch noch verstärkt hat.



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