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Chemie

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Die Produkte der Chemieindustrie sind aus dem Alltagsleben nicht wegzudenken: Sie stellt zum einen Vorprodukte wie z.B. Kunststoffe, Kunstfasern oder Lacke her, die in anderen industriellen Erzeugnissen Verwendung finden. Sie produziert aber auch Pharmazeutika und Wasch- und Körperpflegemittel, die dem Konsumenten direkt zur Verfügung stehen. Die Chemie-Unternehmen sind außerdem die Nummer eins als Lieferanten von forschungsintensiven Vorprodukten für andere Industriebranchen. Die chemische Industrie ist eine Vorleistungsgüter produzierende Branche. Nur 15 Prozent der Produkte der chemischen Industrie kann der Verbraucher direkt kaufen, wie zum Beispiel Lacke, Farben oder Körperpflegemittel.

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Fünf große Bereiche sammeln sich unter dem Dach der Chemischen und Verfahrenstechnischen Industrie: Pharma, Agrar und Ernährung, Farben und Lacke, Petroindustrie und Verfahrenstechnik. Der Pharmabereich produziert nicht nur Arzneimittel, sondern umfasst auch die Biotechnologie. Die Agrarindustrie entwickelt und vertreibt Pflanzenschutz- und Düngemittel für Landwirtschaft und Gartenbau, Schädlingsbekämpfungsmittel für den Hygiene-, Haus- und Gartenbereich sowie Technologien rund um die Lebensmittelbranche. Die Petroindustrie verwendet Öl und Gas als Rohstoffe für Kunststoffe, Lösungsmittel und Schmierstoffe. Die Verfahrenstechnik schließlich befasst sich mit der technischen Durchführung von Prozessen, in denen Stoffe chemisch oder physikalisch verändert werden.

Der Großteil der Produktion wird an industrielle Weiterverarbeiter geliefert, vor allem in den Maschinenbau, die Textilwirtschaft, die Bauwirtschaft, die Verpackungsindustrie und in den Fahrzeugbau. Unter den Branchen des verarbeitenden Gewerbes gehört die chemische Industrie zu den drei innovativsten und forschungsintensivsten Sektoren; jährlich werden über 8 Milliarden Euro für die Forschung und Entwicklung ausgegeben. Gemessen am Umsatz steht die deutsche Chemieindustrie weltweit an vierter Stelle hinter den USA, Japan und China. Sie ist außerdem einer der bedeutendsten Exporteure der Welt. Die pharmazeutische Industrie ist ein wichtiger Zweig der chemischen Industrie. Rund 22 Prozent der gesamten Chemieproduktion in 2006 entfiel auf pharmazeutische Erzeugnisse. Die  Pharmaindustrie erzielte 2006 einen Umsatz von 29,4 Milliarden Euro. Der Inlandsumsatz belief sich 2006 auf 13,2 Milliarden Euro. Der Auslandsumsatz erhöhte sich auf 16,2 Milliarden Euro. Die pharmazeutische Industrie ist besonders forschungsintensiv. Die Forschungsausgaben allein bei den großen forschenden Herstellern beliefen sich 2006 auf gut 4,4 Milliarden Euro.

Wie kaum eine andere investiert die Branche in Forschung und Entwicklung, um im internationalen Wettbewerb ihre Spitzenposition zu  behaupten. In diesem dynamischen Umfeld finden sich nicht nur attraktive Jobs für Chemiker und Pharmazeuten, sondern auch für Absolventen mit betriebswirtschaftlichem oder juristischem Hintergrund. Im produzierenden Gewerbe besetzen sie Schlüsselpositionen wie Beschaffung, Marketing, Vertrieb, Logistik oder Controlling.

Branchenkonjunktur

Seit mehr als vier Jahren blüht die Chemiekonjunktur. Offensichtlich befindet sich die Branche in einer derart robusten Verfassung, dass sie jedenfalls aus heutiger Sicht keinen Abstieg befürchten muss. Nach seiner jüngst bekräftigten Prognose rechnet der Verband der Chemischen Industrie mit einem Produktionszuwachs von 2,5 Prozent und einem Umsatzzuwachs von 4,5 Prozent. Auch die Konzerne zeigen sich optimistisch. Weltmarktführer BASF sieht sich so gut in Form, dass er auf unbestimmte Zeit ein Wachstum über dem Marktdurchschnitt in Aussicht gestellt hat. Zudem hat er sich diesmal schon in einer sehr frühen Phase des Geschäftsjahres zuversichtlich über die Gewinnentwicklung geäußert. Etwas zurückhaltender, aber ebenfalls optimistisch im Hinblick auf den Ertrag gab sich Bayer. Auch die übrigen namhafteren deutschen Branchenvertreter - Konzerne wie Evonik, Degussa, Lanxess, Altana oder Merck KGaA - machen sich zumindest öffentlich derzeit wenig Gedanken über ein schwieriger werdendes Geschäft.

Perspektiven und Prognosen

Die chemische Industrie ist eine der größten Industriebranchen in Deutschland und nimmt im auch internationalen Vergleich eine hervorgehobene Stellung ein: Deutschland ist in Europa die Nummer eins und weltweit der viertgrößte Chemieproduzent. Mit Handel und Auslandsinvestitionen erschließt die chemische Industrie internationale Absatz- und Beschaffungsmärkte und sichert so ihre weltweite Bedeutung. Die Chemieindustrie ist ein wichtiger und attraktiver Arbeitgeber und beschäftigt allein in Deutschland über 400.000 Mitarbeiter.

Die Chemiewirtschaft in Deutschland ist stark wachstumsorientiert. Unter den Begriff der Chemieunternehmen fallen Hersteller von anorganischen Grundchemikalien, Petrochemikalien und Derivate, Polymere, Fein- und Spezialchemikalien, Pharmazeutika sowie Wasch- und Körperpflegemittel. Das Umsatzwachstum steigerte sich von 87,6 Mrd. € (1992) auf 129,6 Mrd. € (2006). Mit etwas mehr als 10% des Gesamtumsatzes des verarbeitenden Gewerbes ist sie ein besonders wichtiger Wirtschaftszweig in Deutschland nach der Automobil-, Maschinenbau- und Elektronikindustrie. Deutlich mehr als 50% der in Deutschland hergestellten Chemieprodukte werden exportiert. Deutschland war im Jahr 2006 die exportstärkste Chemienation (116 Mrd. €, Weltmarktanteil: 12,3%) vor den USA (107,5 Mrd. €, Weltmarktanteil: 11,4%), Frankreich (62,1 Mrd. €, Weltmarktanteil: 6,6%), Großbritannien (53,4 Mrd. €, Weltmarktanteil: 5,6%), Japan (44,2 Mrd. €, Weltmarktanteil: 4,7%).

Ein Produktionsbetrieb der chemischen Industrie hat im Allgemeinen einen höheren Bedarf an Kapitalinvestitionen und einen geringeren Personalbedarf verglichen mit anderen Produktionsbetrieben mit vergleichbarem Umsatz. Im Weiteren zeichnet sich die chemische Industrie aus durch

  • einen hohen Automationsgrad,
  • eine hohe Wertsteigerung der verarbeiteten Rohstoffe,
  • eine sehr teure Forschung,
  • eine aufwändige Verfahrenstechnik sowie
  • eine große Anzahl hergestellter Produkte.