Gesundheitswesen
Die "Gesundheitswirtschaft" ist eine der innovativsten und beschäftigungsintensivsten Branchen in Deutschland. Sie ist auch aufgrund der demografischen Entwicklung einer der Wachstumstreiber der Volkswirtschaft. Das Gesundheitswesen wurde bis vor einigen Jahren ausschließlich unter Kostenaspekten betrachtet. Die Wertschöpfung dieser Branche und das Beschäftigungspotential blieben dabei unberücksichtigt. Diese Ansicht hat sich zu Recht gewandelt und auch zu einer adäquaten Terminologie geführt. Nach bisheriger Auffassung umfasst die Gesundheitswirtschaft das Gesundheitswesen im engeren Sinne, seine Vorleistungs- und Zulieferindustrien sowie viele Randbereiche, die auch als "Zweiter Gesundheitsmarkt" bezeichnet werden.
Nicht nur Ärzte
Es sind nicht nur Ärzte, die im Gesundheitswesen arbeiten. Das Statistische Bundesamt zählte im Jahr 2005 knapp 4,3 Millionen Berufstätige im Gesundheits-, Sozial- und Umweltbereich, deren Tätigkeiten „primär der Sicherung, der Vorbeugung oder der Wiederherstellung von Gesundheit dienen". Dazu kommen noch etliche Berufe, die nicht direkt dem Gesundheitswesen zugehörig sind, in deren Arbeitsalltag Gesundheitsvorsorge aber eine wesentliche Rolle spielt, wie bei Altenpflegern. Somit hat in Deutschland mehr als jeder neunte Beschäftigte mit Gesundheit zu tun. Auf dem Arbeitsmarkt in der Gesundheitsbranche sieht es auch in den kommenden Jahren gut aus, vor allem im Bereich der Gesundheitsdienstberufe wie Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Logopäden und Diätassistenten. Der wachsende Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung und der medizinische Fortschritt lassen den Bedarf an Fachkräften in betreuenden Berufen steigen. Dagegen erschweren die zunehmende Automatisierung und die billigere Konkurrenz im Ausland den Laborbetrieben und dem Gesundheitshandwerk das Leben. Hier sanken die Beschäftigtenzahlen zwischen 1997 und 2005.
In der wertschöpfungsorientierten Darstellung der Gesundheitswirtschaft ist ihr Kernbereich die stationäre und ambulante Versorgung und die Pflege. Dazu gehören Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, Arzt- und Zahnarztpraxen, die Praxen nichtärztlicher medizinischer Berufe, Apotheken, sowie stationäre, teilstationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen. Die Produkte und Dienstleistungen der Vorleistungs- und Zulieferindustrien fließen ausschließlich diesem Kernbereich zu. Dazu gehören die Pharmazeutische Industrie, die Medizin- und Gerontotechnik, die Bio- und Gentechnologie, das Gesundheitshandwerk sowie der Groß- und Facheinzelhandel mit medizinischen und orthopädischen Produkten. Der "Zweite Gesundheitsmarkt", trägt entscheidend zur Wertschöpfung der Branche bei. Beispielhaft sind hier der Gesundheitstourismus, Wellness-, gesundheitsbezogene Sport- und Freizeitangebote, aber auch Schönheitsoperationen, Massagen und Appetitzügler zu nennen.
Entwicklung
Die Gesundheitswirtschaft ist eine stark wachsende Branche. Während die Gesundheitsausgaben 1992 noch bei 158 Mrd. € lagen, beliefen sie sich im Jahr 2006 auf 245 Mrd. €. Positiv ist auch die Beschäftigungsentwicklung. Seit 2000 gab es im klassischen Gesundheitswesen einen Beschäftigungszuwachs von rund 250.000 Personen. Bemerkenswert ist das vor allem im Vergleich zu anderen Branchen und der Gesamtwirtschaft. Das Baugewerbe verlor im gleichen Zeitraum rund 600.000 Arbeitsplätze. 2006 waren im klassischen Gesundheitswesen 4,3 Mio. Personen beschäftigt, für die gesamte Gesundheitswirtschaft wird eine Beschäftigung von 4,9 Mio. Personen angenommen.

