Prüfungsangst
Immer mehr Hochschüler leiden unter dem Leistungsdruck des Studiums. Psychologische Beratungsstellen für Studenten haben Hochkonjunktur. Viele Studenten legen Nachtschichten ein und pauken sich mithilfe von Koffeinüberdosen und stapelweise Traubenzuckerpäckchen durch spröden Prüfungsstoff. In den Bachelorstudiengängen ist zwischen den einzelnen wichtigen Prüfungen viel weniger Zeit als früher und dazu müssen viele Studierende im Zeitalter von Studiengebühren regelmäßig Geld verdienen — mit der Konsequenz, dass ihnen noch weniger Zeit zum Lernen bleibt. Die Folge ist Angst vor den Prüfungen, hoher Zeitdruck und Frustration.Die Prüfungsangst ist uns nicht immer bewusst und hat sehr viele Gesichter.
Sie kann sich in vier Bereichen äußern:
- im seelischen Befinden: Sie fühlen sich ängstlich, unsicher, reizbar, haben Stimmungsschwankungen und Unlustgefühle.
- im körperlichen Bereich: Sie leiden z.B. unter innerer Unruhe, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Müdigkeit, Schwindelgefühlen, Kloßgefühlen, Herzstechen, Heißhungerattacken oder Appetitverlust.
- in der geistigen Leistungsfähigkeit: Sie haben Denkblockaden, Konzentrations-, Aufmerksamkeits- oder Merkfähigkeitsstörungen, Selbstzweifel, Grübelgedanken
- im Verhalten: Sie nehmen Beruhigungstabletten, trinken viel Alkohol, essen mehr, als sie benötigen, flüchten in unwichtige Routinearbeiten.
Die Prüfungsangst kann sich auf vier unterschiedliche Bereiche beziehen:
- Angst vor der Prüfungsvorbereitung
- Angst vor der Prüfungssituation
- Angst vor den Folgen des Versagens in der Prüfung: vor Selbstanklagen oder Blamage
- Angst vor den Folgen einer bestandenen Prüfung: Angst, den danach folgenden Leistungsanforderungen nicht gewachsen zu sein
Weshalb reagieren manche Menschen verstärkt mit Prüfungsangst? Prüfungsangst ist erlernt und hängt eng mit den Erfahrungen in der Kindheit zusammen. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:
- der elterliche Erziehungsstil: Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, daß die Eltern ängstlicher Kinder weniger mit ihren Kindern sprechen und sich weniger um deren emotionale Bedürfnisse kümmern. Ihre Hauptaufgabe sehen sie darin, ihren Kindern Verbote und Regeln zu vermitteln. Häufig überfordern sie ihre Kinder und geben wenig verbale und praktische Unterstützung. Sie bestrafen sie häufiger bei Nichterfüllung der Leistungsansprüche. Später übernehmen die Kinder dann selbst die Rolle ihrer Eltern und lehnen sich ab, wenn sie einen Mißerfolg haben. Sie erleben jede Leistungssituation als eine persönliche Bedrohung.
- die Persönlichkeit der Eltern: Wir lernen sehr viele unserer Verhaltensweisen am Modell der Eltern. Sind die Eltern selbst sehr ängstlich oder stark leistungsorientiert, schauen wir uns deren Verhaltensmuster ab und verhalten uns entsprechend. ï‚§ frühere Erfahrungen mit Prüfungen: Ungerechte Prüfer, negative Reaktionen auf Mißerfolg usw. können die Angst vor Prüfungen verstärken.
- gesellschaftliche Normen: In unserer Gesellschaft werden der Leistungsaspekt und die Bedeutung von Erfolgen stark betont, so daß der Einzelne lernt, sein Selbstwertgefühl in Abhängigkeit von seiner Leistung zu definieren. "Nur wer gut ist, gilt etwas und hat etwas zu sagen". Je mehr Sie diese Einstellung verinnerlicht haben, umso stärker leiden Sie auch unter der Angst, durchzufallen.
- soziale Faktoren: Wer sich sein Studium selbst finanziert und kein finanzielles Polster wird, wird sich eher unter Druck setzen, sein Studium möglichst schnell abzuschließen und gute Noten zu erzielen, um eine möglichst attraktive oder überhaupt eine Stelle zu bekommen. Für ihn wird das gute Bestehen der Prüfung eine besondere Bedeutung haben.
Ursachen der Prüfungsangst
Mit Prüfungsangst zu reagieren ist erlernt. Sie selbst kennen sicher auch Kommilitonen, die - obwohl Sie wesentlich weniger als Sie gelernt haben oder weniger kompetent sind - locker in die Prüfung gehen. Ja, vielleicht erzielen sie sogar wesentlich bessere Noten als Sie. Vielleicht haben Sie auch selbst die Erfahrung gemacht, dass Sie einige Prüfungen mit geringer Anspannung bewältigt haben, während Sie bei anderen wiederum völlig aus dem Gleichgewicht gerieten. Prüfungsangst ist demnach nicht ausgelöst durch die Situation Prüfung selbst. Ein wesentlicher Einflussfaktor bei der Entstehung von Prüfungsängsten sind Ihre Einstellungen. Je nachdem, wie Sie Ihre Kompetenz, die Bedeutung der Prüfung, die Prüfungssituation und die Prüfer einschätzen, wird Ihr Körper reagieren. Situation: Ich gehe in die Prüfungnegative Bewertung: Ich werde durchfallen, stottern, einen Blackout habennegative Gefühle Angst, Anspannung, Depressionneutrale Bewertung Ich lasse es auf mich zukommen. Ich habe gelernt und mich vorbereitet.neutrale Gefühle Ruhe oder leichte Anspannungpositive Bewertung Ich habe mich gut vorbereitet. Das sind die letzten Prüfungen. Die werde ich sicher auch noch schaffen.positive Gefühle Ruhe oder leichte Vorfreude auf danachDie Gefühle sind die zwangsläufige Konsequenz Ihrer gedanklichen Einschätzung. Prüfungsangst entsteht, wenn Sie die Prüfung als bedrohlich für Ihre Selbstachtung, Ihre berufliche Karriere, etc. ansehen und Ihre Fähigkeit, diese Gefahr zu verhindern, als gering einschätzen. Der Schlüssel zur Beeinflussung der Prüfungsangst liegt in Ihren Einstellungen, d.h. in Ihrer Person.
Strategien zur Überwindung von Prüfungsängsten
Die Allgemeine-Angst-Auskunft.de schlägt folgende Wege aus der Prüfungsangst vor:
- Sich optimal aufregen: Aufregung aktiviert, zuviel Aufregung verringert die Flexibilität
- Selbstwertgefühl stärken.
- Verantwortung für das Prüfungsergebnis vernünftig verteilen: Prüfungsergebnisse hängen von vielen Faktoren ab. Man ist nicht nur selbst verantwortlich, auch die Tagesform des Prüfers, die Rahmenbedingungen usw..
- "Katastrophen" zu Ende phantasieren: Die Welt wird nicht zusammenbrechen.
- Sich positiv programmieren und Energie vernünftig einsetzen: Sich selbst erfüllende Prophezeiungen nutzen und sich einen guten Erfolg voraussagen. Ängste verschwenden zuviel Energie.
- Perspektiven verändern: Fakten sind normal, "Bedeutung" macht Angst. Prüfung nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen.
- Arbeitstechniken optimieren und realistische Ziele setzen: gut vorbereiten und günstige Lerntechniken schaffen.Zuletzt sei noch auf eine gute Technik hingewiesen, um die Angst zu bewältigen: Soviel wie möglich von der Prüfung vorwegnehmen.
Wenn dabei die Angst zu groß und kaum aushaltbar ist, kleine Schritte wählen:
- Sich immer wieder den Weg zur Prüfung vorstellen,
- das Warten vor der Tür,
- ggf. auch den Weg mehrmals vorher abgehen,
- das Prüfungszimmer, wenn möglich anschauen,
- mit dem Prüfer sprechen,
- Vorstellungsgespräche im Rollenspiel mit Freunden simulieren bzw. durchspielen,
- In der Entspannung Bilder vor dem inneren Auge ablaufen lassen,
- Aufkommende Angst mit mutmachenden Gedanken begegnen.
Quelle: angst-auskunft.de,




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